Thema: Auto & Technik
Von alter Liebe, die niemals rostet
am 09. Februar 2010
Oldtimer für Einsteiger und Fortgeschrittene
DAVC – das heißt „Deutscher Automobil-Veteranen Club“ mit dem üblichen e.V. dahinter. Der DAVC ist ein deutschlandweit aktiver Verein mit 1.500 Mitgliedern, davon 75 in Ostwestfalen-Lippe – eines davon lebt in Lemgo: Werner Klaas, gelernter KFZ-Meister und nach sieben selbst restaurierten Autos mittlerweile Oldtimer-Spezialist.
Die VITA50plus plauderte mit ihm über das Credo des DAVC, der von sich sagt: „Wir freuen uns nicht nur über die luxuriösen Marken, sondern genauso über das Tempo-Dreirad, den Fiat-Topolino oder den VW-Brezelfenster“.
Der VW – in Langschrift: Volkswagen – ist für Klaas DAS ideale Einsteigerauto in die Oldtimer-Szene. „Da kriegt man schon unter 2.500 Euro einen wirklich guten Wagen“, sagt der KFZ-Meister im Ruhestand, für den als Techniker stets der möglichst gut gefüllte Ersatzteil-Markt für den Oldtimerkauf ausschlaggebend ist. So gibt der Lemgoer als weitere Marken-Empfehlungen für den Sammlungsstart: Opel Kadett, DKW 3, Fiat 500, Ford 17M „die Badewanne“, die gute alte Ente und „die kleinen Engländer“ wie Mini und MG.
„Es ist wichtig, auf seinerzeit produzierte große Stückzahlen bei den Fahrzeugen zu achten. Und was den Mini betrifft: den gibt es schon seit 50 Jahren. Das ist einfach ein Klassiker“, so Klaas. Außerdem seien gerade die Oldtimer englischer Abstammung besonders günstig in der Anschaffung. Beispiel: ein MG, Baujahr 1965 sei bereits für rund 8.000 Euro zu haben.
Wer sich mit dem Gedanken trägt, das Hobby Oldtimer sammeln und restaurieren für sich zu entdecken, braucht vor allem eines: handwerkliches Geschick. Denn sonst wird’s teuer.
Das ideale Einsteigerauto für den technisch weniger versierten Oldtimer-Fan gibt es natürlich auch. Es weist folgende Charakteristika auf:

• Es ist fahrbereit – von „Scheunenfunden“ aus Internetplattformen sollten Anfänger die Finger lassen.
• Es hat eine einfache Technik – was den Motor und die beweglichen Teile betrifft.
• Finger weg von neu lackierten Autos. Im Oldtimersammler-Jargon nennt man dies „die Braut aufhübschen“ und es bedeutet meistens ein Verdecken vorhandener Mängel.
• Ohne Probefahrt geht gar nichts. Wer keinen Tieflader bestellen und zu Reparaturarbeiten über Jahre unter der Karosse seines „Schätzchens“ liegen möchte, greift zum fahrbereiten Veteranen.
• Kein „Exotenkauf“ . Der Griff zu den zur ihrer Zeit verbreiteten Automarken, den sogenannten „Brot- und Butter-Autos“, wird dringend angeraten.
Wichtig auch die Frage: Gibt es einen KFZ-Brief für das Fahrzeug?
Ganz sicher geht ein Käufer, wenn er die Probefahrt in Richtung der Autowerkstatt seines Vertrauens unternimmt und idealerweise auch zur Besichtigung einen Experten mitnimmt.
Wer dies als Anfänger nicht beachtet, hat – so Klaas in seinem unerschütterlichen Humor – „eine Ladung Wohlstandsmüll“ in der Garage stehen.
Angemeldete Oldtimer müssen wie alle anderen Autos auch, alle zwei Jahre zum TÜV. „Wir im DAVC machen davon immer ein kleines Event auf einem Samstagvormittag“, berichtet Klaas über die Gepflogenheiten im Club.
Wichtig für Fans alter Autos ist auch ein Blick auf die gesetzlichen Vorschriften in Sachen Oldtimer. So sieht man häufig ein sogenanntes „H-Kennzeichen“ – H für „historisch“ – an den Autoveteranen prangen. Um dieses zu erhalten und damit eine geringere KFZ-Steuerpflicht, ist bei „Ü30-Autos“ eine TÜV-Einzelabnahme fällig. Das H-Kennzeichen erlaubt auch die Fahrt in die Umweltzone. „So weit sind wir mittlerweile“, freut sich Klaas. Der KFZ-Meister gibt aber auch den deutlichen Hinweis, Aufwand und Nutzen des H-Kennzeichens genau abzuwägen. „Das lohnt sich oftmals nur für das Zweitauto“, ist seine Erfahrung.
Ein anderes Kennzeichen ist das sogenannte „07er“-Kennzeichen. Es ist ein Wechselkennzeichen, das für mehrere Fahrzeuge gilt, entsprechend teurer als ein Einzelkennzeichen ist und sich für den passionierten Oldtimersammler lohnt.
Klaas selbst ist ein solcher passionierter Sammler. Gerade jüngst kam ein besonders wertvolles Stück hinzu, das der KFZ-Meister in mühevoller – für ihn jedoch eher lustvoller – Kleinarbeit restaurierte. Der Ford A, Baujahr 1929 verbrachte 30 Jahre im Dornröschenschlaf, bevor Klaas sich seiner annahm. Heute strahlt das olivgrüne Unikum als original-restauriertes „Schätzchen“ bei der Ausfahrt ebenso wie sein Besitzer, wenn er am Steuer dieses Uralt-Vehikels sitzt.
Alt oder uralt, Oldtimer oder Youngtimer (das sind Autos, die ab 20 Jahre auf dem Buckel haben). Wichtig, das weiß Klaas, ist für den richtigen Autofan nur eines: „die persönliche Beziehung zu seinem fahrbaren Untersatz“.
In diesem Sinne behalte ich auch trotz Abwrackprämie noch meinen knallroten Audi 80, Baujahr 1991, der in unserer Familie sozusagen das Licht der Welt erblickte…
Text: Sylvia Kleimann

