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Thema:

Schneiden oder nicht schneiden?

am 05. Oktober 2011

Schneiden oder nicht schneiden … das ist im Herbst die Frage für den Gartenbesitzer. Und so manches Mal entscheidet sie auch, gleich dem Shakes- peare-Zitat, über Sein oder Nicht-Sein. Dann nämlich, wenn mit einem Schnitt der Blütenansatz für das nächste Jahr entfernt wird – Beispiel Hortensie – oder die frische Schnittfläche bei einer frostempfindlichen Pflanze Angriffspunkt für Erfrierungen bildet oder Nützlinge, Beispiel Igel, in einem aufgeräumten Garten vergeblich nach Überwinterungsmöglichkeiten suchen.
Wenn Sie zu den ordnungsliebenden Menschen gehören, die ihren Garten im Herbst gern kurz geschnitten und aufgeräumt sehen, sollten Sie dennoch bei einigen Pflanzen die Schere im Zaum halten. Dies gilt für:
Hortensien

Hortensien

Ein Rückschnitt ist bei Hortensien grundsätzlich nicht nötig. Anders als bei Rosen, die durch Rückschnitt zu vermehrter Blütenfülle angeregt werden, gefährdet ein Rückschnitt die Hortensienblüte – beispielsweise bei den so beliebten Bauernhortensien mit ihren ballförmigen Blütenständen. Sie gehören zur Sorte der Hortensia macrophylla. Diese Hortensien tragen ihre Blütenstände am Ende der vorjährigen Zweige. Ein Rückschnitt würde die Blüte für das nächste Jahr zerstören.
Bei Hortensien sind daher nur zwei Schnitte erlaubt. Das ist zum einen das Entfernen der alten Blütenstände zur Vermeidung von Grauschimmelbefall. Achtung: Immer oberhalb des obersten Blattknospenpaares schneiden. Der zweite Schnitt ist der Säuberungsschnitt im Herbst. Hier werden, wenn die Pflanze im Inneren zu dicht wird und sich Äste reiben, die nach innen zeigenden Triebe beschnitten.
Der sogenannte Verjüngungsschnitt wird bei Hortensien nur alle vier bis fünf Jahre durchgeführt und zwar immer dann, wenn die Pflanze an ihrem alten Holz zwar viele, jedoch klein ausfallende Blüten trägt. Dann entfernt man von innen heraus einen von vier Trieben – und zwar jeweils den ältesten, am stärksten gewundenen. So erneuert sich die Staude.
Ausnahmen gibt es – wie bei jeder Regel – auch hier: Hortensien, die am einjährigen Laub blühen. Das sind alle japanischen Hortensien und die Hortensien der Sorten aborescens und paniculata. Die beiden bekanntesten Vertreter dieser Sorte sind die große, weiß blühende Ballhortensie „Annabelle“ und die ebenfalls weiß blühende, buschige „Grandiflora“ – beide Hydrangea aborescens. Diese beiden Sorten können problemlos geschnitten werden, aber ACHTUNG!: erst im Frühjahr.

Rosen

Experten raten von einem Schnitt der Rosen im Spätherbst ab. Die Gefahr, dass die Schnittwunden bis zum ersten Frost nicht mehr verheilen, ist zu groß. Frostschäden sind dann vorprogrammiert.
Den großen Form- und Verjüngungsschnitt für Rosen verschieben Sie besser auf das Frühjahr. Eine gute zeitliche Orientierungshilfe ist dabei die Forsythienblüte.
Kein Schnitt – aber Winterschutz
Die meisten Rosen sind gut winterhart. Dennoch empfiehlt sich ab Mitte Dezember ein Winterschutz. Er sorgt dafür, dass die nur knapp unter der Bodenoberfläche liegende empfindliche Veredelungsstelle geschützt ist. Häufeln Sie dazu die Rosen mit Erde an oder bedecken Sie die einzelnen Stöcke handhoch mit Kompost. Zum Frostschutz eignet sich auch Fichtenreisig. Bei den Hochstammrosen liegt die Veredelungsstelle in der Krone. Sie schützt man am besten durch einen über die Krone gestülpten, mit Laub ausgestopften Jutesack. Unten zubinden – fertig.

Kletterpflanzen

In der Regel benötigen Kletterpflanzen keinen Schnitt. Aber von dieser Regel gibt es auch Ausnahmen. Dazu gehören beispielsweise einige Sorten der beliebten Rosenbegleiterin Clematis/Waldrebe.
Die Wildarten, Clematis montana (kleine Blüten) werden nicht geschnitten.
Bei den großblumigen Edelsorten, den Clematis-Hybriden, hängt der Schnittzeitpunkt mit der Blütezeit zusammen. Frühblühende Clematis, Blütezeit Mai bis Juni, blühen am vorjährigen Holz. Sie sollten nicht im Herbst, sondern direkt nach Blüte im Sommer geschnitten werden. Bekannte Sorten: The President – blau, Nelly Moser- zweifarbig rosa mit rotem Streifen, Barbara Dibley- zweifarbig violett mit rotem Streifen.
Spätblühende Clematis, Blütezeit Juli bis Oktober, werden im Frühling scharf zurückgeschnitten.

Frühjahrsblüher

Die meisten Ziergehölze sind schnittverträglich und werden jetzt eingekürzt.
Ausnahme sind die Frühjahrsblüher Forsythien und Flieder (Syringa). Sie werden direkt nach ihrer Blüte geschnitten. Gar keine Schere sehen wollen dagegen wertvolle Gehölze wie Zaubernuss (Hamamelis), Magnolie (Magnolia) und Goldregen (Laburnum).

Gräser

Gräser im Herbst nicht schneiden. Die braune Winterfarbe tut der Schönheit der Gräser keinen Abbruch – im Gegenteil. Wenn sich der Raureif über die Gräser legt, gibt das dem Wintergarten ein ganz spezielles Flair. Außerdem schützen die Halme die Pflanze vor Feuchtigkeit. Gräser erst im Frühjahr bevor die Pflanze aus dem Wurzelstock neu austreibt eine Handbreit über dem Boden abschneiden.
Ein wenig empfindlich ist das immer beliebter werdende Pampasgras (Cortaderia selloana). Schützen Sie es vor Frost und Feuchtigkeit, indem Sie die Halme im Winter zu einem Bündel zusammen binden. Dankbar ist die Pflanze auch für einen Frostschutz aus Laub oder Reisig am Wurzelstock.

Die Schere ansetzen können Sie jetzt bei folgenden Pflanzen:

Ziergehölze

Schneiden Sie Blütenreste sowie abgestorbene und alte Äste ab. Diese sind für Schmarotzer und Schädlingsbefall besonders anfällig. Schneiden Sie soviel weg, bis gesundes Gewebe zum Vorschein kommt. Kappen Sie quer wachsende Äste und ermöglichen Sie so den anderen Ästen ein ungestörtes Wachstum.

Obstbäume

Obstbäume müssen jedes Jahr beschnitten bzw. ausgelichtet werden. Sonst werden die Baumkronen zu dicht und die Menge und Qualität der Früchte nimmt ab. Ältere Obstbäume können schon im November bearbeitet werden.
Ansonsten ist die ideale Schnittzeit im Januar – am besten an einem schönen, sonnigen Tag mit Temperaturen über -5 Grad C. Ende März, wenn der Baum wieder im Saft steigt, sollte der Beschnitt beendet sein.

Beerensträucher

Beerensträucher wie Brombeeren, Himbeeren, Stachel- und Johannisbeeren können – falls noch nicht geschehen – ebenfalls jetzt noch gekürzt werden. Alte, vergreiste Triebe – erkennbar an der braunen statt grünen Farbe – werden über dem Boden abgeschnitten. So können sich die Sträucher laufend von unten erneuern.

Stauden

Schneiden oder nicht schneiden ist hier eine Gewissensfrage. Gegen die Schere spricht, dass verblühte Stauden als Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere dienen können. Die Stauden samen sich allerdings auch selbst aus. Die daraus entstehenden Pflanzen sind oft nicht sortenrein, haben zum Beispiel eine andere Farbe. Die oft unansehnlichen, wie gekochter Salat aussehenden Hosta-Blätter sollten sie aber keinesfalls abschneiden. Das welkende Laub schützt die Pflanze gegen Frost.
Im Frühjahr vor dem neuen Austrieb sollten alle Stauden geschnitten werden.

Knollen und Zwiebeln

Die einen rein, die anderen raus… Jetzt wird es höchste Zeit, Zwiebeln von Frühblühern wie Krokusse, Tulpen und Narzissen zu pflanzen. Theoretisch kann bis zum ersten Frost gepflanzt werden, doch je länger die Zwiebeln vor der Winterruhe in der Erde sind, desto schöner wird die Blüte im nächsten Jahr. Setzen Sie die Blumenzwiebeln etwa doppelt so tief in die Erde wie sie hoch sind. Pflanzen Sie in Gruppen.
Dahlien, Gladiolen und Canna müssen jetzt in ihr Winterquartier umziehen. Sie müssen aus der Erde, sobald der erste Frost das Laub zerstört hat. Schneiden Sie nun alle Stängel eine Handbreit über dem Boden ab. Holen Sie die Knollen vorsichtig aus der Erde und klopfen sie ab. Schneiden Sie die feinen Wurzeln zurück. Dann werden die Knollen etwa drei Wochen zum Trocknen auf Papier ausgelegt. Im Anschluss können sie in einer mit Zeitung ausgelegten Kiste, in einem kühlen aber frostfreien, gut belüfteten Raum überwintern.
Text: Sylvia Kleimann
Fotos: Karin Goldbach & Sylvia Kleimann

             
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