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Prinz Stephan zur Lippe

am 26. Juli 2009

Heute gibt es auch den Freistaat nicht mehr. Es gibt aber noch das wunderschöne Fürstliche Residenzschloss inmitten der Stadt, dessen Ursprung noch weit vor der Stadtgründung Detmolds liegt. Das Schloss wird seit 500 Jahren ununterbrochen von der Familie bewohnt und auch heute noch wohnen dort Prinz Armin und Prinzessin Traute, die Eltern von Prinz Stephan zur Lippe. Zwölf prachtvolle Sääle sind dort im Rahmen von Führungen der Öffentlichkeit zugänglich. Bei Schlossbesichtigungen sind besonders die kleinen Mädchen fasziniert, dass „Märchenschlösser“ nicht nur eine Bilderbuchgeschichte sind.

Die Fürstliche Familie gehört durchaus zum Alltagsbild der Stadt Detmold, man trifft sie bei Spaziergängen mit und ohne Hund, beim Einkaufen, die fünf Kinder der jungen Fürstenfamilie besuchen Schulen und Kindergarten. Prinz Stephan hat den bürgerlichen Beruf eines Juristen ergriffen und betreibt eine Anwaltskanzlei. Was bedeuten heute, im manchmal sicher auch hektischen Alltag die historischen Wurzeln? Liegt in dem Bewusstsein der jahrhundertelangen Verantwortung vieler Generationen für Menschen, für Natur und Umwelt auch eine besondere Verpflichtung, sich im demokratischen Gefüge unterschiedlich zu engagieren, ehrenamtlich und ohne Machtanspruch?

VITA50plus, im Gespräch mit Prinz Stephan zur Lippe, wollte wissen, wie ein Prinz heute seinen Alltag gestaltet und bewältigt.

VITA50plus:
Als Sie vor 50 Jahren geboren wurden, sind Sie in eine Familie hinein gewachsen, in der schon seit vielen Jahren der Anspruch auf eine Regentschaft in Lippe aufgegeben war. Sie verbrachten Ihre Kindheit im Schloss, Sie besuchten eine bürgerliche Schule.
Wie sehr wurde Ihnen die Tradition Ihrer Familie, Ihrer Vorfahren ins Bewusstsein gerufen?

Prinz Stephan:
Als ich geboren wurde, spielte Tradition in der Gesellschaft noch eine größere Rolle als heute. Bewusstsein hierfür wurde mir von Kindheit an beigebracht: von meinen Eltern, von meiner Großmutter, von Freunden und Verwandten. Heute verstehe ich Tradition als Wahrung unseres Erbes und unserer Werte. Hierzu gehören Begriffe, die manchmal gerne als altbackene Sekundärtugenden belächelt werden wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Pflichtbewusstsein, aber auch Toleranz und soziales Engagement. Aber Tradition ist nichts statisches, sondern muss sich in der jeweiligen Zeit immer neu bewähren.

VITA50plus:
Sie arbeiten in einem bürgerlichen Beruf. Aber Sie verwalten auch das private Vermögen Ihrer Familie. Ihrer Familie gehören Waldflächen, die bewirtschaftet sein wollen. Warum widersetzen Sie sich, diese Flächen in das Projekt „Nationalpark Senne“ eingliedern zu lassen?

Prinz Stephan:
Eine Eingliederung unseres Waldes in ein Nationalparkprojekt würde den Verlust dieser Flächen durch Verkauf oder Enteignung bedeuten. Dies ist für uns inakzeptabel. Der Wald ist unsere wirtschaftliche und emotionale Wurzel. Er ist Teil des Gründungsmythos unserer Familie und sichert unsere nachhaltige Existenz in dieser Region. Ein Verkauf des Waldes wäre ein Verrat an unserer Geschichte.

VITA50plus:
Seit einer Legislaturperiode sind Sie Mitglied des Rates der Stadt Detmold. Zur Kommunalwahl in diesem Jahr werden Sie sich gleichfalls auf Kreis-ebene engagieren. Woraus speist sich Ihr kommunalpolitisches Interesse?

Prinz Stephan:
Zunächst betrachte ich politisches Engagement als Bürgerpflicht. Für die Gemeinschaft, in der man lebt, sollte man sich auch engagieren. Dies Engagement ist mir aber nicht nur Pflicht, es macht mir auch Spaß. Zudem darf man nicht verkennen, dass die aktive Teilnahme an kommunalpolitischen Entscheidungen die Chance öffnet, ein klein wenig die eigene Zukunft mitzugestalten.

VITA50plus:
1194 wurde von Bernhard II. und seinem Sohn Hermann II. die Falkenburg am Rande der Stadt Detmold im Teutoburger Wald erbaut. Sie war einst eine der mächtigsten Burganlagen Westfalens. Heute ist sie eine Ruine, aber auch diese Ruine ist eindrucksvoll. Nachdem die Burg Ende des 16. Jahrhunderts nicht mehr bewohnt wurde, sind im Laufe der Zeit ihre Steine in Häusern und Straßen verbaut worden. Sie setzen sich mit dem Verein „Die Falkenburg e. V.“ für Ausgrabungen zur Freilegung der Ruine ein. Was ist das große Ziel?

Prinz Stephan:
Die Falkenburg ist die Wiege der neueren Geschichte dieser Region. Sie ist der Grundstein des heutigen Kreises Lippe. Vor fünf Jahren waren die Reste der Falkenburg unter einem großen Schuttkegel verborgen und nur noch wenige Mauerreste waren sichtbar. Heute ist die Dimension und Bedeutung der Anlage in Ansätzen wieder erlebbar. Dies möchten wir ausbauen, baulich sichern und als Attraktion für Lippe dauerhaft erhalten. Ich bin sicher, dass dies dem Tourismus für die Region sehr dienlich sein wird.

VITA50plus:
Sie haben eine große Familie. Fünf Kinder sind eine erhebliche zeitliche Herausforderung. Spielen Traditionen und die Geschichte des Fürstenhauses Lippe eine besondere Rolle in der Erziehung?

Prinz Stephan:
Meine Frau und ich versuchen unseren Kindern so viel wie möglich von den Werten zu vermitteln, die sich aus der Tradition und der Geschichte unserer Familien ergeben. Dies ist übrigens in der heutigen Zeit nicht immer einfach, weil vieles gegenläufig ist. Und die Kinder sollen diese Erziehung auch nicht als bedrückend empfinden. Daher ist dies oft eine Gradwanderung, aber wir tun unser Bestes und haben volles Vertrauen in unsere Kinder.

Das Gesprächführte Karin Hehner-Rügge
Foto: Robin Jähne

             
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