Thema: Literatur
Mijn Duitsland
am 27. Juli 2009
Von außen betrachtet macht es einen erstaunlichen Eindruck, wie anders die Deutschen und Deutschland von einem direkten Nachbarn, wie der belgische Autor Geert van Istendael ist, wahrgenommen werden.
Allerdings, fährt man zu unseren Nachbarn über die nicht mehr wahrzunehmenden Grenzen, im grenzenlosen Europa, darf man sich auch etwas wundern, denn die Dänen, die Niederländer oder auch die Belgier sind, obwohl die Entfernung relativ kurz ist, von einer doch jeweils anderen Mentalität.
Geert van Istendael entwirft das kaleidoskopische Bild eines Landes, das die Welt bewundert, dem aber auch misstraut wird. In 43 geistreichen Betrachtungen werden die Stärken und Schwächen der Deutschen sowie ihre Städte und Landschaften, ihre Geschichte, Kultur und Politik unter die Lupe genommen.
Ganz nebenbei entdeckt der Autor, dass er seinen großen Nachbarn ganz sympathisch findet. Seine Erkundungsfahrt geht von A wie Aachen bis Z wie Zwiebelmarkt in Bad Breisig. Dabei entdeckt er, der Fremde, Seiten, die den Einheimischen gar nicht bewusst sind. Auf seiner Reise stößt er auf Brecht, Hölderlin und Tucholsky und macht sich Gedanken über die deutsche Vorliebe für die Adventszeit. Er beschäftigt sich mit ihren Denkmälern oder dem Widerstand im Dritten Reich.
Die Vielfalt der Themen und die liebevoll-ironischen Schilderungen van Istendaels gewähren dem Leser einen tiefen Einblick in die deutsche Seele jenseits überholter Klischees.
Geert van Istendael
Mijn Duitsland
parthas verlag, 396 S., Euro 24,–

