Themen: Gesundheit, Medizin
Hypnose in der Medizin
am 19. September 2009
Sanft heilen
Bis heute denken viele Menschen bei Hypnose vor allem an alte Filme, in denen spitzbärtige Bösewichte Uhren pendeln und Unschuldige einen Mord ausführen lassen. Oder an Showhypnosen, bei denen gestandene Männer auf der Bühne zum Beispiel gackern wie ein Huhn.
Doch abseits dieser Klischees hat sich Hypnose in den vergangenen Jahren als wirkungsmächtiges medizinisches Hilfsmittel einen Namen gemacht. Allein in Deutschland gibt es mittlerweile vier Fachgesellschaften für Hypnose. Ihre gut 2000 Mitglieder sind keine Scharlatane oder Quacksalber, sondern Zahnärzte, Allgemeinmediziner, Geburtshelfer, Psychotherapeuten und Heilpraktiker.
Historisches
Bereits 2000 v. Chr. wurde die Hypnose von Priestern im antiken Griechenland eingesetzt. Aus dem antiken Ägypten gilt das Papyrus Eber, etwa 1500 v. Chr., als ältestes schriftliches Zeugnis für hypnotische Induktionstexte. Bekannt ist, dass Paracelsus hypnoseähnliche Techniken erstmals zur Behandlung von Nervenkrankheiten nutzte.
Im Prinzip hat die Hypnose und deren Anwendung in Europa als medizinisches und therapeutisches Heilmittel eine lange Tradition. 1851 beschrieb der Mediziner Esdaile (1808 – 1859) über 300 durchgeführte schmerzfreie und gut verheilende Amputationen. Die analgetische Hypnose verschwand weitgehend mit der Einführung der Betäubungsmittel Äther, Chloroform und Lachgas. Im 19. Jahrhundert wurde die Hypnose erstmals systematisch vor allem von Vertretern der Psychoanalyse, wie Siegmund Freud, verwendet. Während des ersten und zweiten Weltkrieges setzte man bei Soldaten bewusst eine Hypnosetherapie ein, um sie unter Hypnose traumatische Kriegserlebnisse leichter verarbeiten zu lassen.
Kurzurlaub für Körper und Seele
Heute sind die Einsatzmöglichkeiten der Heilhypnose sehr vielseitig. Hypnosen werden z. B. bei der Geburtshilfe, bei Operationen und beim Zahnarzt eingesetzt.
Vor allem bei der Psychotherapie, bei psychosomatischen Störungen und zur Reduzierung von Schmerzzuständen ist Hypnose oft wirksamer als viele Medikamente.
Die Vorstellungen rund um die Hypnose sind oft recht weit von der Wirklichkeit entfernt. Hypnose als Therapieform gilt im allgemeinen als ungewöhnlich. Irgendwie macht Hypnose neugierig und doch gleichzeitig ein wenig Angst.
Das Wort Hypnose leitet sich aus dem griechischen Wort hypnos = Schlaf ab, wobei man bei der Hypnose nicht wirklich schläft. Der Hypnosetherapeut versetzt den Patienten in einen vorübergehenden Zustand veränderter Aufmerksamkeit. Man kann die Hypnose als einen Zustand zwischen Wachsein und Schlafen bezeichnen. Der Hypnotisierte ist körperlich tief entspannt. Das Zeitgefühl geht verloren, die Umwelt wird unwichtig, man fühlt sich sehr wohl – eine Art Kurzurlaub für Körper und Seele.
Warum Hypnotisierte weniger Schmerzen verspüren, ist noch ungeklärt. Forscher vermuten, dass Hypnose die Kommunikation zwischen einzelnen Gehirnzellen stört, in denen Reize verarbeitet werden. Die emotionale Kopplung von Schmerz an Angst, Stress und Fluchtreaktionen fehlt. Der Patient nimmt zur Kenntnis, dass ihm wehgetan wird, es stört ihn aber nicht.
„Das wirkt bei mir bestimmt nicht“
Darüber sind sich viele Menschen sicher. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass die meisten Menschen hypnotisierbar sind. Intelligente Menschen mit einem starken Willen sind erstaunlicherweise besonders gut zu hypnotisieren. Man kann sagen, dass jeder, der schlafen und träumen kann, auch hypnotisiert werden kann – wenn er will.
Wichtig zu wissen:
Hypnose ist immer ein freiwilliger Vorgang. Niemand kann gezwungen werden, in der Hypnose Dinge zu tun, die er im Wachzustand ablehnen würde. Jeder behält in Hypnose die völlige Kontrolle und kann die Trance jederzeit beenden.
Mehr Wissen über die Grenzen und Möglichkeiten einer Heilbehandlung durch Hypnose ist u. a. nachzulesen in „Die hohe Schule der Hypnose – Grenzen, Chancen, Risiken“ von dem Hyp- nosetherapeuten und Heilpraktiker Prof. Dr. Kurt Treppenwein.
Karin Hehner-Rügge

