Themen: Generationen, Gesellschaft
Großeltern und Enkel
am 26. Juli 2009
Es gab Zeit zum Erzählen, und Fragen aus jahrelangem Erfahrungswissen zu beantworten war Ehrensache. Häufig wohnten Oma und Opa gleich um die Ecke oder gar im selben Haus. Ihre festgefügten Ansichten über Gott und die Welt sollten für ihre Familie ein Sicherheitsraum sein.
Zwei Generationen weiter ist vieles anders geworden. Es gibt Patchwork-Großeltern, passend zu den Patchwork-Familien. Oma und Opa, oft noch engagiert in Beruf und Sport und oder viel auf Reisen, wohnen nicht mehr unbedingt um die Ecke; aber die Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln ist in der Regel genauso wie vor fünfzig Jahren, eine ganz besondere. Fest gefügte Rollen gibt es für Großeltern nicht mehr. Alles ist möglich ist eine Frage der Verhandlung und Einigung mit den Eltern. Wenn Großeltern und Enkel gemeinsam surfen, sind es häufig die Enkel, die clever mit den neuen Medien umgehen können.
Was ist das Geheimnis in dem besonderen Verhältnis zwischen Großeltern und Enkeln?
Es ist einfach wohltuend und entspannend, die große Verantwortung für die Erziehung der Enkel bei den Eltern zu wissen. Es ist angenehm, Enkel auf Zeit als Gäste zu bekommen. Erinnerungen an eigene Elternzeiten mit ihren Sorgen und Befürchtungen, alles richtig zu machen, lassen das Großelterndasein zu einem besonderen Genuss werden. Die typischen Konflikte zwischen Kindern und Erwachsenen werden vor allem mit den Eltern ausgetragen. Der Stress um Schulnoten, Streit um das Taschengeld, um das Chaos im Kinderzimmer – kein Thema für die Großeltern.
Dass sich Großeltern und Enkel in der heutigen Generation vielleicht besonders gut verstehen, liegt sicher auch an den gesellschaftlichen Veränderungen. Heute tragen Großeltern sportliche Klamotten, färben ihre Haare, fahren mit den Enkeln Mountainbike. Sie sind unternehmungslustig, verreisen mit den Enkeln. Sind, wenn nötig, Babysitter und Kummerkasten.
Über alle Generationen hinweg
Die Mithilfe der Großeltern ist insbesondere bei einer Familie mit kleinen Kindern gestern wie heute sehr willkommen. Wird das Kind krank, ist die Oma für die berufstätige Mutter oft die einzige Möglichkeit, es liebevoll betreuen zu lassen. Auch mal ein Abend zu zweit für die Eltern ist mit Großeltern, die den Kindern vertraut sind, eine sichere Sache.
Dabei ist es wichtig, dass Eltern den Großeltern ihre eigenen Vorstellungen mit dem Umgang ihrer Enkel lassen, denn umerziehen kann man Großeltern nicht. Man muss ihnen auch ihren eigenen Erziehungsstil zugestehen. Kinder kommen durchaus gut damit zurecht, wenn Erwachsene unterschiedlich mit ihnen umgehen. Es ist sogar eine Bereicherung, wenn Kinder erfahren, dass man manche Dinge auf unterschiedliche Art und Weise betrachten und lösen kann.
Text: Karin Hehner-Rügge
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