Thema: Kunst & Design
Form & Ton
am 26. Juli 2009

Sie konstruieren außergewöhnliche Klangskulpturen. Wie kamen Sie darauf, den perfekten Klang in besonderen Formen zu suchen?
Auf die Idee, formschöne, organische Klangskulpturen zu gestalten, bin ich
gekommen, als ich meine Frau, eine Interieur-Stylistin, kennen lernte. Obwohl ich mich bereits seit Jahrzehnten mit Lautsprechern, Klang und Design beschäftigte, war mir das Defizit an außergewöhnlichen Lautsprecher-Formen erst bewusst geworden, als mir stapelweise Wohn- und Architektur-Zeitschriften vorlagen. In den abgebildeten Interieurs waren kaum Lautsprecher zu sehen. Woran lag das? Wurden die meist schwarzen, eckigen Kisten vorher für das Foto aus dem Wohnraum verbannt? Dieser Missstand beschäftigte mich Tag und Nacht und jenen wollte ich grundlegend ändern. Eine Vision war geboren!
Manche dieser Formen, wie beispielsweise das Horn, können auf eine lange Tradition als hervorragender Klangkörper zurückblicken. Was macht diese Bauart so geeignet für die Konstruktion von Lautsprechern?
Nach jahrelanger Erfahrung mit akustischen Mess-Systemen, Testen von ver- schiedensten Bauformen und Material- Mixturen, hat sich diese Gehäusevariante nicht nur optisch, sondern auch akustisch als besonders geeignet gezeigt.
Das Rearloadet-Horn, eine Bauform, die in den 30er Jahren erfunden wurde und seitdem die Menschen begeistert, war etwas in Vergessenheit geraten und erlebt nun, passend zum Röhrenverstärker, eine Renaissance. Bei diesen Konstrukten arbeitet vorzugsweise nur ein Chassis, der rückwärtige Schallanteil wird durch die Trichterfaltung so genutzt, dass man auf einen Basstreiber verzichten kann. Ein Hornlautsprecher erzeugt enorme Dynamik bei geringer Verstärkerleistung und so bieten sich hier die ange- nehm warm klingenden Röhren verstärker als Spiel-partner an. Als Gehäuse-Design wählte ich die geschwungene Musikinstrumenten-Form der Tuba.
Besonders ist allerdings auch Ihr Engagement, nicht nur auf bestehende Formen zurückzugreifen. Die Erstellung der Soundsysteme in Handarbeit ermög- licht es Ihnen, individuelle Formen, je nach Kundenwunsch, zu erschaffen. Welche Herausforderungen stecken hinter solchen Aufträgen?
Da keine Formvorlagen existieren, sind optische Variationen möglich, wie zudem Struktur und Farbgebung frei wählbar sind. Je nach Raumgröße und Anforderung an die Maximal-Lautstärke kann es sein, dass die Gehäuse etwas voluminöser ausfallen sollten. Auch wenn spezielle Wunsch-Chassis verbaut werden, ist gegebenenfalls eine neue Gehäuseberechnung nötig.
Generell versuche ich, meine Schallwandler so abzustimmen, dass sie schön musizieren und jedes Musikmaterial wiedergeben können, das heißt, dass das Musikhören zum Erlebnis wird und Spaß macht, da jedes Stück direkt auf die Hörgewohnheiten des jeweiligen Auftraggebers abgestimmt wird. Das ist für mich das Besondere – jeder Auftrag kann anders sein und das Ergebnis ist einzigartig, denn jeder Kunde soll seine „Traumskulptur“ bekommen.
Der bewährte Werkstoff für Ihre Klangskulpturen ist Beton. Was brachte Sie dazu, vom herkömmlichen Material Holz abzuweichen?
Der Beton, welcher bei mir stellenweise in Leichtbauform zum Einsatz kommt, ist der perfekte Werkstoff für Lautsprechergehäuse. Masse, Dichte und Steifigkeit, in Kombination mit der Formbarkeit, machen das Material für meine Zwecke zum optimalen Arbeitsmaterial. Zudem unterstützt die Textur des Betons den gewün-schten Klang der Lautsprecher und somit ist der Werkstoff nicht nur aus hand- werklicher Sicht, sondern auch in auditiver Hinsicht bestens geeignet.
Design und Technik bilden eine Einheit in Ihren Lautsprechern. Sehen Sie sich selbst als Designer oder Ingenieur?
Bei meiner Tätigkeit ist eine derartige Unterscheidung, Gott sei Dank, nicht möglich. Die Klangskulpturen können weder ohne das technische Innenleben existieren, noch wäre meine Arbeit für mich ohne das spezielle Design vorstellbar. Allerdings würde ich mich nicht primär als Designer bezeichnen, denn die Klang-körper sind nicht nur nach formalistischen Prinzipien gestaltet, also „nur“ um schön in der Ecke des Wohnzimmers zu stehen, sondern die Formen erfüllen eine wesentliche Funktion, die, gemeinsam mit der Wahl des Werkstoffes, überhaupt erst zur finalen Klangqualität führt.
Um dieses Zusammenspiel zu ermöglichen, hilft mir ungemein mein handwerk-licher Hintergrund, denn auch wenn die Skulpturen am Ende teilweise wie in einem Stück gegossen wirken, ist die Gestalt der Lautsprecher in Wahrheit die Konsequenz aus dem langwierigen Formen mit den Händen, so dass jedes Stück ein Unikat darstellt.
Für wen sind Ihre Skulpturen erfahrungsgemäß von Interesse und wie kann man sie erwerben?
Zu meinem Kundenkreis zählen designorientierte Interessenten, aber auch ebenso Personen, die sich in erster Linie aus Gründen der Klangqualität für die Lautsprecher entscheiden. Um sich ein Bild von den Klangskulpturen machen zu können, biete ich gerne an, in meinem Haus, wo die Lautsprecher entstehen, oder auf verschiedenen High-End Messen europaweit, diese anzuhören und anzusehen. Es gibt natürlich auch andererseits die Möglichkeit über diverse Hi-Fi-Händler, beispielsweise in Berlin, Frankfurt und Bielefeld, ebenfalls zu den Skulpturen zu gelangen. Wer sich über die Standtorte der Showrooms oder aber auch über Details zu den jeweiligen Skulpturen informieren möchte, kann im Internet unter www.form-und-ton.de nachsehen.
Das Gespräch führte Markus Wendling
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