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Entdeckungsreise auf einem Weingut

am 23. August 2009

Ein guter Freund hatte einmal gesagt: „Der Besuch auf einem Weingut ist für mich eine Mischung aus Tradition, Nostalgie und in gewissem Maße auch Faszination. Dabei kann ich nicht mal sagen, was mich am meisten beeindruckt. Ist es der Keller mit den voll liegenden Fässern aus Holz und Edelstahl, der Kellergeruch nach Wein und Hefe, die „Großzügigkeit“ des Winzers bei der Weinprobe oder sind es die Weinberge, wo sich die Rebstöcke, wie in einer mittelalterlichen Schlachtordnung, den Sonnenstrahlen entgegenstrecken? Und zu jeder Jahreszeit ist es anders.“
Eine Erfahrung eines „reisenden Genießers“ als Spiegelbild dessen, was er sehen will, kann oder sieht.
Denn auch an den Weingütern sind die Herausforderungen unserer Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Während der Reiseboom-Jahre in den 80ern und 90ern haben die Deutschen im Ausland neue Weine und Geschmacksprofile kennen und lieben gelernt.
Fast unbemerkt von den Verbrauchern haben die Winzer in Deutschland in den letzten 15 Jahren neue weiße und rote Rebsorten „eingeführt“, und zum Erstaunen der Fachwelt gedeihen diese bei uns prächtig. Das deutsche Angebot ist in einer global agierenden Weinwelt internationaler geworden.
Heute gehören ein Cabernet Sauvignon, ein Chardonnay, ein Pinot Noir, ein Pinot Grigio oder ein Merlot fast wie selbstverständlich zum Bestand in vielen Anbaugebieten.
Aber auch neue eigene Rotweinrebsorten sind entstanden wie der Dornfelder, Regent oder die Domina, gehaltvolle Weine, sortenrein oder als Cuvée angeboten mit internationalem Charakter.

weintrauben

Nostalgisch wird es dann auch bei der Art der Herstellung. Viele Weingüter sind wieder zurückgekehrt zu der jahrtausende alten „Maischegärung“ für Rotweine. Denn die Farbpigmente des späteren Weins sitzen fast ausschließlich in der Beerenhaut. Diese zu lösen kann man durch kurzfristiges „Erhitzen“ oder durch einen längeren Gärprozess im Maischebottich erreichen. Zwar wird heute die „Traubenmasse“ nicht wie früher, und auf alten Weinerntebildern noch zu sehen, von charmanten Mädchenbeinen „ausgepresst“, sondern „maschinell“ bearbeitet. In jedem Fall ist aber das Maischegärverfahren, mit 4 bis 10 Tagen Verweildauer im „Bottich“, schonender und ergibt nuancenreichere Weine.
Auch in der Weiterverarbeitung greifen die Winzer vermehrt auf von alters her Überliefertes zurück. In den Weinkeller sind neben den 600- und 1200- Liter- Holzfässern in der Zwischenzeit fast unbemerkt kleinere Fässer aus französischer, deutscher und amerikanischer Eiche mit 225 Litern Inhalt „eingezogen“.
Das so genannte Barrique-Fass hat von seinen physikalischen Eigenschaften (Inhalt und Oberfläche) geradezu ideale Voraussetzungen für die Atmungsaktivitäten des Weins mit dem das Fass umgebenden Sauerstoff. Durch das Kapillarsystem des Holzes setzt ein unmerklicher Verdunstungsprozess ein, der dem Wein eine ungeahnte Geschmacksvariation und Komplexität verleiht. Spundvoll gehalten, kann der Wein über Jahre lagern und reifen. In der Zeit der Reifung nimmt der Wein aber auch Geschmackstoffe und Tannine aus dem Eichenholz auf, die seine natürliche Haltbarkeit und Lebensdauer erhöhen. Nicht zuletzt durch die Einführung der kleinen Barriques haben sich einige deutsche Winzer „angefreundet“ mit der Herstellung von Cuvées, wie es in Frankreich, Italien oder Übersee generell üblich ist.
Gesucht und zusammengebracht werden dann Rebsorten, die von ihrer Abstammung ähnlich, gleich oder von ihrer Geschmacksanmutung eine Bereicherung für das Endprodukt sind. Nach der Vereinigung zweier oder mehrerer Rebsorten beginnt die Zeit der „Marriage“, der Vermählung der Weine auf der Flasche, die einige Monate, manchmal auch (bei Rotwein) Jahre dauern kann.
Der Anteil der Weine, die sich in einem Cuvée befinden, ist ein Geheimnis der Winzer, die es nur manchmal mit einem Schmunzeln verraten, wissen sie doch, dass man ein Cuvée niemals kopieren kann, da es nur den Reifegrad der Trauben eines Jahres widerspiegelt.
Übrigens eines, verehrter Leser, sollten Sie wissen: Weine sind die Kinder des Winzers, die er 6 Monate im Keller mit Argusaugen bewacht, sie hätschelt, streichelt und pflegt, bis sie auf die Flasche gefüllt werden.
Und damit sind wir bei einem jährlichen „Kopfschmerz“ des Winzers angelangt – dem Flaschenverschluss – dem Korken. Den wenigsten Weintrinkern ist bewusst, dass ein Korken das Doppelte oder Dreifache der Flasche kosten kann. Wir sammeln zwar Altglas, der Korken aber wandert in den Hausmüll.
Aber das ist nur ein Problem mit dem Korken. Das Ausgangsprodukt für die Korkherstellung ist die Rinde der Korkeiche, vornehmlich aus Portugal, Nordafrika und Südfrankreich. Früher standen auf einem Hektar = 10.000 Quadratmeter rund 50 Korkeichen – heute sind es 120 Bäume mit gewaltigen Kronen und entsprechendem Grundwasserbedarf.
Rund 8 bis 10 Jahre dauert das Wachstum der Rinde eines Baumes, bis sie abgeschält, getrocknet und der Verarbeitung übergeben werden kann. Klimawandel und immer neue Anbaugebiete und industriell hergestellte Massenprodukte lassen das Naturprodukt knapp werden. Alle Versuche, aus dem reichlich vorhandenen Abfall der „Korkstanze“ durch Schrotung und Aufbereitung einen „Ersatzkork“ herzustellen, erbrachten bisher eigentlich nicht die gleiche Qualität wie das Original.
Auf der anderen Seite haben sich auch die Konsum- und Einkaufsgewohnheiten verändert: Der eigene Weinkeller, Vorratshaltung und „Weinsammlung“ sind zum einen aus Wohnraumgründen und veränderten Lebensumständen schwer realisierbar, zum anderen durch die Schnelligkeit der heutigen Kommunikationswege nicht mehr notwendig.
Heute sucht, nach einer Befragung, der Genießer möglichst junge, frische Weißweine und ausgereifte Rotweine. Es war deshalb nur eine Frage der Zeit, bis die Weinwirtschaft nach Alternativen zum Naturprodukt Kork suchen würde, auch wenn sie viel Verständnis hat für das „Plopp“, das uns alle beim Herausziehen des Korks viele Jahre begleitet hat. Innovation oder innovativ nennt man nach dem Sprachgebrauch etwas Neuartiges, das plötzlich da ist – etwas, worüber man bereit ist nachzudenken, was man haben will – wir nennen es einfach praktisch. Seit mehr als 10 Jahren gibt es in der Schweiz den LONGCAP-Drehverschluss auf der 0,75- Liter-Flasche auch für sehr hochwertige Weine aus dem Schweizer Jura.
Der LONGCAP-Verschluss ist ideal bei Weinen für den Feierabend, zur Vesper, auf Balkon oder Terrasse oder wenn plötzlich und unerwartet Besuch kommt. Praktisch bei jeder Grillparty und verbraucherfreundlich. Denn die angebrochene Flasche können Sie im „Handumdrehen“ wieder verschließen und sogar liegend im Kühlschrank aufbewahren.
Der Verschluss ist geschmacksneutral und garantiert immer, mit 5 Gläsern Inhalt, die Frische der Abfüllung.
Auch für die 0,75-Liter-Flasche hat man eine Lösung gesucht. Nach einem langen Experimentierstadium mit allen möglichen Kunststoffen hatte ein Apotheker die rettende Idee. Der Flaschenverschluss aus „Glas“ war geboren – leicht und ohne Korkenzieher zu öffnen und die angebrochene Flasche wieder verschließbar. Und anstatt des bekannten „Plopp“ ist es jetzt ein helles „Klick“.
Natürlich gibt es immer noch den Korkverschluss der Traditionalisten, aber wer weiß, ob neben dem „Longcap“ und dem „Glaskorken“ die Zukunft noch andere Erfindungen parat hat, um endlich sicher zu stellen, dass Ihr Wein keinen „Korkschmecker“ hat?
Der zweite Kopfschmerz der Winzer ist das Erscheinungsdatum der jährlichen Preisliste, auch wenn die Kunden drängen, weil sie den neuen Jahrgang probieren wollen.
Und das hat einen besonderen Grund! Wein ist nach der Auslegung der strengen Regeln des deutschen Weingesetzes im „Lebensmittelbereich“ angesiedelt. Jede Flasche mit der Bezeichnung „Guts-abfüllung“ oder „Erzeugerabfüllung“ muss, bevor sie in den Verkauf kommt, analysiert und geprüft werden.
Das Ergebnis ist dann die so genannte „AP Nummer“. Landesweit gibt es in Deutschland staatliche Prüfstellen, die anhand der Nummer den Namen des Weinguts, den Ort, das Abfülldatum und den Jahrgang der Ernte feststellen und mit hinterlegten Proben jederzeit vergleichen können. Für den Verbraucher bedeutet dies Sicherheit und „Rückverfolgbarkeit“ seines Genusserlebnisses. Und das ist gerade in der heutigen Zeit des Massenangebots von Weinen zum Discountpreis eine Überlegung wert.
Denn der Wein der Winzer kommt nicht mit Tanklastwagen irgendwoher aus Europa oder mit Tankschiffen aus Übersee, um dann von Großkellereien abgefüllt zu werden. Mit einem interessanten Etikett aus der „Marketingküche“ von Aktiengesellschaften landen so viele Weine im Handel als Mitnahmeartikel.
Und bereiten dem Weingut und Winzer die dritten Kopfschmerzen. Aber denken wir optimistisch. Diese „Entdeckungsreise“ auf einem Weingut sollte zeigen, dass es trotz des „globalen Weltbildes“ noch etwas gibt wie
MADE in GERMANY.

Mehr Informationen erhalten Sie unter: www.apercuexpress.de

             
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