Der Maulwurf - ein Schädling?
am 26. Juli 2009
Mit dem steht der kleine Kerl nämlich auf Kriegsfuß – vermutlich ganz ohne sein Wissen. Graben ist die Profession und die Lebensgrundlage des Maulwurfs. Dabei ist er äußerst fleißig und schafft es, in einer Stunde eine bis zu 7 Meter lange Röhre fertigzustellen. Dies wäre für Gartenbesitzer kein Problem, wenn der Maulwurf nicht den Aushub als weithin sichtbaren Maulwurfshügel an die Oberfläche befördern würde. Zudem beansprucht dieses nur rund 10 bis 17 Zentimeter lang werdende Tier ein für seine Körpergröße unverhältnismäßig großes Revier von durchschnittlich 2000 Quadratmetern für sich. Das Maulwurf-„Denken“ – Der gesamte Vorgarten ist mein Eigentum – gefällt Gartenbesitzern natürlich gar nicht.
Vielleicht werden Hobbygärtner etwas milder gestimmt bei einem genaueren Blick auf dieses interessante Tier. Der europäische Maulwurf gehört zu den Säugetieren, genauer zu den Insektenfressern. Einen Maulwurf „über Tage“ anzutreffen, kommt recht selten vor, denn die meiste Zeit seines Lebens verbringt er unter der Erde auf der Suche nach Nahrung: Insekten und Regenwürmer, die er besonders gern verzehrt. Wurzeln von Pflanzen oder Blumenzwiebeln rührt er nicht an. Allerdings kommt es vor, dass er Teile davon durch seine Grabetätigkeit zerstört. Ähnlich wie der Hamster legt sich auch der Maulwurf für seine Lieblingsspeise, die Regenwürmer, ein Depot an. Dabei geht er äußerst geschickt vor, beißt zunächst nur die vorderen Gliedmaßen der Würmer ab. So können diese weiterleben aber nicht flüchten.
Der Maulwurf hat ein auffallend weiches Fell und ist üblicherweise grau, bräunlich oder schwarz. Zu den 10 bis 17 Zentimetern Körperlänge kommt der Schwanz von 2 bis 4,5 Zentimetern hinzu. Ein erwachsener Maulwurf wiegt zwischen 60 und 120 Gramm. Seitlich am Rumpf finden sich die Vordergliedmaßen, die zu Grabwerkzeugen umgebildet sind mit den Handflächen nach außen und fünf Zehen am Ende.
Hiermit gräbt der Maulwurf seine Gänge, zumeist dicht unter der Erdoberfläche, aber auch bis zu einem Meter tief. Seine Nahrung findet er entweder beim Graben, beim Durchstreifen der bereits angelegten Gänge – hier bringt er es auf gemütliche, aber für seinen walzenförmigen Körper doch erstaunliche vier Stundenkilometer – oder während seiner kurzen Ausflüge an die Erdoberfläche.
Dabei „arbeitet“ der Maulwurf in drei Schichten: vormittags, nachmittags und gegen Mitternacht ist er für rund vier Stunden aktiv. Länger als einen Tag kann er ohne Nahrung nicht überleben.
Überleben – das ist das Stichwort für ein trauriges Kapitel im Leben eines Maulwurfs. Theoretisch kann ein Maulwurf fünf Jahre alt werden. Aber eben nur theoretisch. Rund zwei Drittel der gesamten Population – Nachwuchs gibt es auch nur einmal im Jahr in übersichtlicher Zahl – stirbt mit weniger als einem Jahr. Die Liste der lebensbedrohlichen Gefahren für einen Maulwurf ist lang: Katzen, Füchse, Haushunde, Eulen, Raben, Wildschweine, Hochwasser, Dauerfrost. Besonders gefährlich ist das kurze Leben für die Youngsters, die im Alter von zwei Monaten das Nest verlassen und sich ein eigenes Revier suchen müssen.
Dass der Mensch nicht auf der Liste der Todfeinde steht, ist der Tatsache zu verdanken, dass Maulwürfe unter Naturschutz stehen – in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Erlaubt ist lediglich die Vertreibung aus dem Gartenparadies mit rein ökologischen Mitteln, beispielsweise Ultraschall.
Diskussionen über die Nützlichkeit oder Schädlichkeit – diese vom Menschen geprägten Wertungen – gibt es immer wieder. Ist der Maulwurf nun schädlich, weil er Regenwürmer frisst, oder nützlich, weil er auch die Drahtwürmer verspeist? Eines steht auf jeden Fall fest: Ein „wahrhaft furchtbares Raubthier“, als das er noch in einer antiken Ausgabe von Brehms Tierleben beschrieben wird, ist dieser niedliche, kleine Kerl ganz sicher nicht.
Text: Sylvia Kleimann
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