Thema: Gesundheit
Anti Aging - Ewige Jugend auf Rezept?
am 17. Juli 2009
Alle möchten lang leben, aber niemand will alt sein. In den letzten Jahren ist viel die Rede von Hormondefiziten und Medikamenten, die versprechen, den Abbau der körperlichen Leistungsfähigkeit zu stoppen. Doch erwiesen ist nur eines: Als Anti-Aging-Konzept lässt sportliche Bewegung, die Spaß macht und nicht dem Leistungsdenken verpflichtet ist, alle Anti-Aging-Präparate weit hinter sich.
Hinzu kommt noch eine ausgewogene Ernährung und die Vermeidung von Übergewicht. Effektiver lässt sich ein gewisses Maß an Jugendlichkeit im Alter nicht bewahren. Sport verhilft dem Körper zu allen Ressourcen, die er zur Bewältigung der Alterungsprozesse braucht, und ist außerdem das beste „Medikament” gegen schlechten Schlaf.
Älterwerden ist keine Krankheit
Wenn Sie das Älterwerden als natürlichen Prozess akzeptieren, sind Sie besser vor alt- und krankmachender Überforderung geschützt. Anti-Aging sollte deshalb keine Frage der Mittel und Pülverchen sein, sondern eine Lebenshaltung: Vertrauen Sie Ihrem Körper, achten Sie auf seine Signale und trauen Sie ihm auch nicht zu wenig zu.
Zum Älterwerden gehört, dass der Körper ab einem gewissen Zeitpunkt die Produktion wichtiger Hormone drosselt. Bei Frauen gehen mit einer verminderten Produktion von Östrogen ab dem fünften Lebensjahrzehnt die Wechseljahre einher, häufig begleitet von Beschwerden wie Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Durchblutungsstörungen, schmerzenden Gelenken, rascher Erschöpfung und Inkontinenz. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose kommen nicht selten hinzu.
Oft gehen die Beschwerden in den Wechseljahren jedoch nicht allein auf den Mangel an Geschlechtshormonen zurück, sondern auch auf den allgemeinen wie alterstypischen Mangel an Bewegung.
Das gilt im Prinzip auch für die so genannten „Wechseljahre des Mannes”. Allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Bei Männern beginnt der Testosterongehalt im Blut zwar bereits nach der Pubertät allmählich zu sinken, doch reicht die Produktion dieses wichtigsten männlichen Hormons auch im Alter noch aus, um zeugungsfähig zu sein. Im Gegensatz zu Frauen erleben Männer also keine abrupte Verringerung der Hormonproduktion, weshalb der Begriff „Wechseljahre” auch nicht zutrifft. Gleichwohl kann es bei Männern zu einem krankheitsbedingten starken Abfall der Testosteron-Produktion kommen, häufig verbunden mit Antriebschwäche, Müdigkeit und sexueller Unlust. Das jedoch gilt nur für eine kleine Minderheit älterer Männer.
Hormonersatz ist kein Anti-Aging
Für Frauen wie für Männer gilt: Medikamente, die dem Körper Hormone zuführen, können helfen, jene Beschwerden zu lindern, die auf einen krankheitsbedingten Mangel dieser Hormone zurück gehen. Für die Behauptung, dass die Zufuhr an Hormonen jung und fit halte, gibt es dagegen keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis. Niemand wird durch eine Hormonsubstitution auch nur ein Jota körperlich agiler oder geistig frischer.
Sowohl der Berufsverband der Frauenärzte als auch die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfehlen, Hormonpräparate nur dann einzusetzen, wenn Frauen oder Männer stark unter den Folgen eines Hormonmangels leiden. Das sollte in möglichst geringen Dosierungen erfolgen und auch nur so lange, wie ein Zusammenhang zwischen den Beschwerden und einem Hormonmangel erkennbar ist. Beide Institutionen wenden sich ausdrücklich gegen die leichtfertige Verabreichung von Hormonmedikamenten. Abgesehen vom fraglichen Nutzen sind die gesundheitlichen Risiken der Hormonsubstitution auch heute noch nicht absehbar. Studien warnen jedoch vor einem erhöhten Brustkrebsrisiko bei Frauen und vermehrten Prostatakrebsraten bei Männern. Hormonhaltige Präparate sollten niemals ohne ärztlichen Rat eingenommen werden.

