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David Friedman im Gespräch

am 26. Februar 2010

Ein Vibraphonist der Extraklasse

David Friedman, 1944 in New York geboren, gilt als der „Spitzenklöppler“ in der Branche der Vibraphon- und Marimbaspieler. Es gelang ihm in seiner unvergleichlichen Karriere, aus seinen Wurzeln eine Musik mit einer eigenständigen Handschrift zu schaffen und aus den unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen eine eigene musikalische Botschaft entstehen zu lassen.
Nur wenige Jazzmusiker verfügen über eine solche Live- und Studioerfahrung wie er. Bekannte Musikgrößen wie Leonard Bernstein, Luciano Berio, Bobby McFerrin, Wayne Shorter und Yoko Ono, Joe Henderson, Horace Silver, Jonny Griffin, Ron Carter und John Scofield arbeiteten mit ihm zusammen.
Seine Kompositionen erschienen auf Chet Bakers preisgekrönter Veröffentlichung „Peace“ (Enja), auf der Friedman als Gastsolist spielt.
Seit 1989 ist David Friedman künstlerischer Leiter der Jazzabteilung der Universität der Künste in Berlin. Seiner weltweiten Anerkennung als Musiker und Komponist hat er den Ruf an die Hochschule zu verdanken. Hier baute er in den Jahren seiner Lehrtätigkeit die Jazzabteilung zu einer der renommiertesten Abteilungen aus.
Neben dieser Lehrtätigkeit findet der Musiker immer noch Gelegenheit, weltweit seine Musik auf eigenen Konzerten oder im Zusammenspiel mit anderen Musikern zu präsentieren. Seine Konzerte sind eine Mischung aus spontaner musikalischer
Improvisation und eigenständiger Interpretation des modernen Jazz- und Weltmusik-Repertoires. Sie sind ungezwungen und halten eine entspannte Zwiesprache mit ausgewählten Musikerkollegen. Sie widmen sich der intensivsten und dichtesten Form musikalischer Kommunikation, die geprägt ist von Kreativität, Lust am Gefühl und einer ungeheuren Spielfreude.
Sein Lehrbuch “Vibraphone Techniques: Dampening and Pedaling” gilt seit vielen Jahren als die “Bibel” schlechthin für Malletspieler rund um die Welt.

Anlässlich seines Konzertes in der Erlöserkirche am 20. März in Detmold wollte VITA50plus Näheres von dem Weltmusiker erfahren.

Herr Friedman, bei Ihrem internationalen Engagement scheinen Sie eine besondere Affinität zu Ostwestfalen und im Besonderen zu Detmold zu haben. Was macht für Sie den besonderen Reiz an dieser Region aus?

David Friedman:

In Detmold lebt der wunderbarste Mensch, den ich kenne. Sie gibt mir Kraft, wenn ich körperlich und geistig erschöpft und ausgelaugt bin und inspiriert mich durch ihre Weisheit und positive Lebenseinstellung. Deshalb bin ich oft bei ihr zu Besuch in Detmold.

Ihr Konzert in Detmold findet in einer Kirche statt. Das ist für Sie sicherlich eine etwas andere Atmosphäre als in einem Konzertsaal. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der speziellen Akustik?

David Friedman:

Die Akustik einer Kirche oder alten Kathedrale ist durch den extremen Hall nicht immer vorteilhaft für ein Vibraphonkonzert. Wenn aber die Kirche voll ist, wird der Hall vom Publikum „aufgesogen“. Ich bin schon gespannt auf diese Kirche und hoffe natürlich, dass viele Zuhörer kommen.

Die Stilrichtung Jazz ist nicht unbedingt eine Musikrichtung, die einen breiten Geschmack der Menschen anspricht. Ist Ihr Konzert auch für „Nichtkenner“ interessant?

David Friedman:

Es gibt keine „Nichtkenner“, sondern Menschen, die Spaß daran haben, mit etwas Neuem konfrontiert zu werden, die Lust haben, sich neuen, ungewohnten Sinneserlebnissen zu öffnen und dabei an einer „anderen“ Art von kommunikativer Interaktion teilzunehmen. Und es gibt natürlich Menschen, die an so etwas kein Interesse haben. Das beschränkt sich nicht nur auf Musik oder Kunst. Es gibt eben Menschen, die einfach nicht neugierig sind, die lieber das hören, machen, essen, trinken, anschauen, erleben, was sie schon kennen, was sie in keiner Weise überraschen könnte. Das sind für mich die „Nichtkenner“ oder gar die „NICHTSkenner“.

Sehen Sie für Ihre Musikrichtung eine höhere Akzeptanz für eine bestimmte Altersgruppe oder ist sie generationenübergreifend?

David Friedman:

Ich denke, gute Musik, die etwas Ehrliches kommuniziert, spricht alle Altersgruppen an. Die Medien versuchen, uns vom Gegenteil zu überzeugen. Sie wollen uns glauben machen, dass Popmusik für junge Leute ist und Jazz und Klassik für Leute über 40. Sie wollen den Geschmack der Menschen in jene Bahnen steuern, in denen der größte Profit für eine bestimmte Branche der Musikindustrie liegt. In Wirklichkeit ist das Quatsch. Ich habe bei meinen Konzerten junge Leute, auch Teenager, beobachtet, die genauso auf die Musik gestanden haben wie ihre Eltern.

Gibt es ein aktuelles Projekt, an dem Sie arbeiten?

David Friedman:

Im Moment habe ich vier Projekte, die parallel zueinander laufen: Das Trio “Tambour”, mit dem ich die von Kritikern hochgelobte CD “Rodney‘s Parallel Universe” eingespielt habe, die 2007 zweimal als beste CD des Monats gelobt wurde. Im Moment spiele ich mit dem hervorragenden deutschen Saxophonisten Peter Weniger im Duo. Unsere neue CD „Retro“ wird demnächst bei „Skip Records” veröffentlicht. Ausserdem möchte ich mein Projekt mit Saxophon, Bass und Streichorchester fortsetzen. Wir haben im Mai in Italien ein Konzert mit Streichern und voraussichtlich auch im Juni in Berlin. Darüber hinaus habe ich ein Duo mit einem fantastischen japanischen Pianisten, Yosuke Yamashita, ein absoluter Star in Japan, mit dem ich letzten Sommer in Japan auf Tournee war. Wir spielen nur freie, spontane Musik, ohne abgesprochene Strukturen oder Stücke. Mit ihm zu spielen ist einfach unglaublich!

Was darf der Besucher des Konzertes in Detmold von Ihnen erwarten?

David Friedman:

Alles, was ich bis jetzt erzählt habe…aber noch besser ist es, nichts zu erwarten und sich überraschen lassen.

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